Lilienthalpreis 2010 geht an Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH
Die Berliner Firma „Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH“ erhält den Lilienthal-Preis 2010. Die Auszeichnung wurde zum Tag der Luft- und Raumfahrt Berlin-Brandenburg am 29. April von der Lilienthal-Preis-Stiftung vergeben.
Der Lilienthal-Preis ist so etwas wie der „Bambi der Luft- und Raumfahrt“ in unserer Region. Jährlich wird er für Erfindungen, Innovationen, neueste technische Entwicklungen vergeben. Diese Entwicklungen müssen jedoch bereits marktreif sein.
Der Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH ist es gelungen, sogenannte „Bus-Komponenten“ zu entwickeln. Das sind einerseits Transportbehälter, in denen Mini-Satelliten „huckepack“ auf der Rakete sicher ins All befördert werden. Zum anderen sorgen spezielle Auswurf- und Haltesysteme dafür, dass so ein Satellit zur richtigen Zeit in der richtigen Position ins All katapultiert und sanft im Orbit ausgesetzt wird. Dort wird er speziell ausgerichtet, ansonsten würde er „ziellos in der Gegend herum taumeln“. Bisher wurden bereits vier Satelliten auf diese Weise ins All befördert.![]()
Den Lilienthal-Sonderpreis 2010 erhielt die Berlin Brandenburg Aerospace Technology AG (BBAT) für die erfolgreiche Zusammenführung von kleinen und mittleren Unternehmen. Die BBAT ist ein neuer regionaler Lieferant und qualifizierter Partner der Triebwerksindustrie. Im November 2009 startete das Unternehmen am Standort in Wildau die Produktion von Triebwerksgehäusen.![]()
Der 6. Tag der Luft- und Raumfahrt in Wildau war ein voller Erfolg. Rund 130 Gäste kamen zu den hochkarätigen Vorträgen zum Thema "CLEAN SKY - umweltbewusst fliegen". Am Abend gab es einen feierlichen Empfang bis 22 Uhr.
Lilienthal-Preis 2010 wurde an die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof verliehen
Der Lilienthal-Preis aus Berlin und Brandenburg ging in diesem Jahr an die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. Mit dem Preis werden besondersinnovative und marktnahe Leistungen gewürdigt, die beispielgebend für die Branche und deren Zukunftsfähigkeit sind und die Wachstumschancen für die Region erhöhen.
Die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH erhielt am 29.04.2010 den Lilienthal-Preis für die Entwicklung, Herstellung und Testung des Single Picosatellite Launchers (SPL). Dieses Produkt ermöglicht einen äußerst zuverlässigen aber auch kostengünstigen Transport von Picosatelliten in den Weltraum.
Picosatelliten sind kleine würfelförmige Satelliten mit einer Kantenlänge von ca. 10 cm und einen Gewicht von ca. 1 kg. Diese sogenannten CubeSats nutzen in der Regel Mitfluggelegenheiten auf Raketen um in den Weltraum zu gelangen, d.h. sie werden als Piggy Back zusammen mit einem großen Satelliten (der Hauptnutzlast) transportiert. Der Single Picosatellite Launcher umhüllt den Picosatelliten während des Startvorganges vollständig und verhindert, dass sich unter den extremen Startbedingungen Teile von ihm lösen und an der Hauptnutzlast Schäden in Millionenhöhe verursachen.
Ist die Rakete in der Umlaufbahn angekommen, beginnt auf Kommando der Bodenstation der Prozess des Auswurfes des Satelliten aus dem SPL.
Hierfür wird die Deckelklappe des Single Picosatellite Launchers geöffnet und verriegelt. Danach wird der CubeSat mit Hilfe einer Feder ausgeworfen. Dieser Auswurf erfolgt nahezu drall- und rückstoßfrei. Nach dem erfolgreichen Auswurf kann der Picosatellit seine Missionsaufgaben wahrnehmen.
2009 wurden bereits vier Picosatelliten mit dem Single Picosatellite Launcher der Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH erfolgreich gestartet.
Die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH ist ein Entwicklungs- und Fertigungsbetrieb im Bereich der Feinwerktechnik mit dem Schwerpunkt in der Luft- und Raumfahrt.
Auf dieser Basis realisiert das Unternehmen auch Aufgabenstellungen ganz irdischer Art, wie z. B. auf dem Gebiet der Feinmechanik/ Optik oder dem Sondermaschinenbau. Hier übernimmt das Unternehmen für einen stets wachsenden Kundenkreis Projekte von einfachen Industrieanwendungen bis hin zu robusten Sonderentwicklungen für unwirtliche Umweltbedingungen oder die Fertigung von präzisen Bauteilen als Serien oder auch in Einzelstücken.
Laudatio
zur Verleihung des Lilienthalpreises 2010 an die
Firma Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH
sowie
des Lilienthal-Sonderpreises 2010 an die
Firma BBAT, Berlin Brandenburg Aerospace Technology AG
anlässlich des Tages der Luft- und Raumfahrt in Wildau
"Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
als Jurymitglied ist es mir eine besondere Ehre und Freude Ihnen die Auswahlentscheidung für die Vergabe des Lilienthalpreises 2010 bekannt geben zu dürfen und die hierbei geehrten besonderen Verdienste zu würdigen. Zugleich darf ich Ihnen ebenfalls mit großer Freude in diesem Jahr eine weitere Preisvergabe bekannt geben, die etwas aus dem Rahmen der typischerweise gewürdigten Leistungen heraus fällt, jedoch gerade in einer erkennbaren Affinität mit dem Wirken von Otto Lilienthal ihre Begründung hat.
Zuvor möchte ich jedoch einige Anmerkungen zur Bewerbungslage und auch zu den Auswahlkriterien der Jury machen.
Der Preis, der nunmehr seit 6 Jahren für besondere Verdienste von Individuen und Unternehmen sowie Personengruppen aus wissenschaftlichen Einrichtungen und Firmen im Bezug auf Innovationen im Luft- und Raumfahrtbereich mit Bezug auf die Region Berlin und Brandenburg vergeben wird, hat sich in diesem Zeitraum sowohl qualitativ als auch quantitativ ständig weiter entwickelt. Hierbei fand sicher auch die Entscheidung vor zwei Jahren ihren Niederschlag, die bisher auf unsere Region beschränkten Bewerbungen für Interessierte im ganzen Land zu öffnen. Dieses hat die Arbeit der Jury gewiss um Einiges aufwändiger, aber sicher auch interessanter und spannender gemacht. Die Qual der Wahl wurde insbesondere auch deshalb größer, da zugleich die Qualitätsdichte deutlich zugenommen hat. Dieses betone ich hier auch deshalb, da sicherlich einige der Bewerber mit hochkarätigen Vorschlägen sich nach Bekanntgabe der Entscheidung nicht angemessen gewürdigt fühlen mögen. Diesen Betroffenen kann ich versichern, dass es lediglich marginale Bewertungsunterschiede waren, die in einem insgesamt hervorragenden und leistungsstarken Bewerberfeld den Ausschlag gaben.
Den Bewerbern wurden bereits mit der Ausschreibung die von der Jury anzuwendenden Kriterien für die Auswahlentscheidung mitgeteilt. Diese umfassten beispielsweise den Innovationsgehalt des Vorschlags, dessen Übertragbarkeit auf weitere Anwendungen bzw. Problemstellungen, die Praxiseignung sowie die Marktrelevanz und Marktnähe. Eine gute Idee, die sich erst in der Anfangsphase ihrer Ausführung befindet, wird sich in der Rangfolge genauso weiter hinten befinden, wie ein bereits entwickeltes Produkt, welches zwar innovativ ist, für das jedoch noch kein Markt sichtbar ist. Erst wenn in sämtlichen Kriterien entsprechend hohe Bewertungen erfolgen, kommt ein Vorschlag in die Endausscheidung.
Wenn ich nun zur Auswahlentscheidung und deren Begründung komme, dann möchte ich noch einmal anmerken, dass sich die zunächst kontrovers diskutierte Entscheidung für die Zulassung von Wettbewerbern außerhalb der Region Berlin-Brandenburg keinesfalls nachteilig für die Bewerbungen aus der Region ausgewirkt hat. Diese Tatsache macht deutlich, dass unsere bisher, ich betone -noch nicht-, zu den größten Luftfahrtstandorten Deutschlands zählende Region hinter den bedeutenderen Standorten nicht verstecken braucht, denn es gehen beide angekündigte Preise an mittelständische Firmen sowohl in Berlin als auch in Brandenburg. Um einem daraus etwa abzuleitenden Vorwurf der regionalen Klüngelei innerhalb der Jury entgegen zu treten: Bei der Entscheidung spielte ausschließlich die Bewertung der Bewerbung nach den genannten Kriterien eine Rolle, die bereits bei der Einführung des Preises festgelegt und seitdem unverändert angewendet werden. Diese Bemerkung möchte ich ausdrücklich mit der Aufforderung an die hoch geachteten Bewerber aus anderen Bundesländern verbinden, sich bitte auch weiterhin mit interessanten Vorschlägen um den Lilienthalpreis zu bewerben. Mit dem diesjährigen Ergebnis wird allerdings die Innovationskraft und Leistungsstärke der in der Luft- und Raumfahrt tätigen mittelständischen Firmen unserer Region eindrucksvoll untermauert. Eine, wie ich meine, sehr erfreuliche Nachricht.
Der Lilienthalpreis 2010 geht an die Firma Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH für den von ihr vorgestellten SPL.
Die Akronymisierung unserer Welt schlägt uns schon wieder ein Schnippchen und ich möchte Sie über Funktion und Bedeutung dieser bereits ihren Markt erobernden Innovation kurz aufklären. Es handelt sich um einen sogenannten Single Picosatellite Launcher. Wer des Englischen mächtig ist wird erkennen, dass es sich dabei um ein Startgerät zur präzisen Aussetzung von kleinen Satelliten im All handelt. Pico steht hierbei für eine Größenordnung von etwa 10 x 10 cm und einem Gesamtgewicht von einem kg. Man stelle sich die Situation vor: eine Trägerrakete führt eine Reihe von mehr oder weniger großen Satelliten mit sich beim Flug ins All. Beim Erreichen der jeweiligen Zielumlaufbahn der Satelliten würden diese, wenn man sie lediglich ins All freilassen würde, auf der gleichen Bahn wie die Rakete weiter fliegen. Gibt man diesen nun den gezielten „Schubs“ in die richtige Richtung mit dem SPL, werden sie ihre eigene, geplante Umlaufbahn um die Erde einnehmen.
Was ist nun der Vorteil dieses Gerätes? Der SPL dient zunächst in zweierlei Funktion: Er schützt zum Einen als ein mechanisch belastbarer Container den in ihm gelagerten teuren Satelliten vor Schäden, die beispielsweise durch desintegrierende andere Nutzlasten beim Start verursacht werden könnten. Zugleich schützt er andere Nutzlasten, beispielsweise einen sehr teueren Nachrichtensatelliten, sollte der in ihm untergebrachte Picosatellit durch die beim Start auftretenden äußerst hohen dynamischen Belastungen selbst Teile verlieren. Dieses könnte zur Gefährdung einer teuren Raumfahrtmission und zu sehr hohen Haftungskosten führen.
Der SPL hat jedoch noch eine weitere Funktion: Erreicht die Rakete die vorgesehene Bahnhöhe für den Satelliten, wird dieser mit Hilfe einer sehr zuverlässigen, da auf dem bewährten mechanischen Prinzip der Spiralfeder beruhenden Methode ins All katapultiert. Die Vorbereitung dieses Vorgangs geschieht in einer elektronisch kontrollierten Sequenz von Aktionen, die mit dem Öffnen des Containers beginnt und dem Lösen des Satellitenträgers endet, was hierbei äußerst innovativ mit magnetisch deaktivierbaren Permanentmagneten in gleichfalls genial einfacher, aber äußerst zuverlässiger Weise geschieht. Mit dieser Konstruktion wird die Belastung des Satelliten beim Ausstoß effektiv minimiert und die in der Regel relativ geringe Auswurfgeschwindigkeit kann sehr präzise auf die Anforderungen der Mission abgestimmt werden. Durch eine ausgefeilte Lösung für die präzise Führung des Satellitenträgers kann ein weitgehend rotationsfreier, geradliniger Ausstoß erreicht werden, was eine nachträgliche, Energie benötigende Bahnkorrektur überflüssig macht.
Der SPL dient also letztlich zugleich der Kapital- und Missionssicherung in der Raumfahrt. Darüber hinaus erweist sich die konstruktive Lösung für das Arretierelement als vielseitig auch für andere Anwendungen einsetzbar. Die Clusterungsfähigkeit der Einheiten des Systems erweitert zudem das Einsatzspektrum.
Das patentierte System hat bereits erfolgreich seine Einsatzreife unter Beweis gestellt: Vier Picosatelliten wurden bereits mit Hilfe des SPL erfolgreich im Jahr 2009 ins All gestartet. Darunter befand sich auch der BeeSat, der letzte aus einer Reihe am Institut für Luft- und Raumfahrt an der TU Berlin entwickelten und gebauten Satelliten. Meine eigene Arbeitsstelle erwähne ich hier nicht ohne Stolz. Das große Vertrauen, welches dem Launcher unter Anderem auch durch meinen Kollegen Brieß entgegen gebracht wurde, bestätigt auch noch einmal die Richtigkeit der Preisentscheidung der Jury.
Gegenwärtig wird die Picosatellitentechnik an den Universitäten in großen Schritten voran gebracht. Es ist jedoch auch ein steigendes Interesse der Industrie an dieser neuen Kategorie Raumfahrtgerät festzustellen, da die Picosatelliten äußerst kostengünstig Kommunikations- und Erdbeobachtungsaufgaben wahrnehmen können. Bei dieser positiven Entwicklung spielen die stetig voranschreitende Miniaturisierung der Elektronik und Sensorik, aber insbesondere auch der Lageregler, die sog. Reaktionsräder oder Micro Wheels, eine große Rolle. Micro Wheels werden im Übrigen gleichfalls von der Firma Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH entwickelt und gefertigt. Die Firma weist sich insgesamt durch ihre weitere Produktpalette im Bereich Luft- und Raumfahrt, Optik und dem Prüfstand- und Apparatebau als ein ausgesprochenes High-Tec-Unternehmen aus und strahlt somit wie dereinst Otto Lilienthal leuchtturmartig inmitten der Stadt Berlin technische und wissenschaftliche Kompetenz im besonderen Maße aus.
Sämtliche der zuvor genannten Entscheidungskriterien für die Preisvergabe werden bei dieser Bewerbung also in ausgeglichener Weise und in hohem Maße erfüllt. Dass die Einschätzung der Jury auch von anderer Seite geteilt wird, macht die Würdigung des Single Picosatellite Launcher durch die Verleihung des Bayerischen Staatspreises 2010 an das Unternehmen Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH deutlich.
Ich beglückwünsche die Firma Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH zur Verleihung des Lilienthal-Preises 2010.
Wie ich bereits erwähnt habe, endet meine Laudatio nicht mit dieser Entscheidung. Das hat seinen besonderen Grund.
Unter den Kandidaten für den Lilienthalpreis 2010 befand sich eine bisher noch nicht in dieser Art vorgekommene Bewerbung, die aufgrund ihrer speziellen Natur den genannten Kriterien in der beschriebenen ausgewogenen Weise nicht entsprechen konnte, aber dennoch äußerst bemerkenswert ist. Die Jury hat sich nach ausgiebiger Analyse und Diskussion dieser Bewerbung ausnahmsweise über ihre selbst verordneten Regeln hinweggesetzt und in sehr großer Mehrheit beschlossen in diesem Jahr einen Lilienthal-Sonderpreis zu vergeben.
Dieser Lilienthal-Sonderpreis 2010 geht an die BBAT Berlin Brandenburg Aerospace Technology AG.
Bei dieser Entscheidung stand unter Anderem auch das Rückbesinnen auf die Persönlichkeit Otto Lilienthals im Vordergrund, der ja bekanntlich nicht nur ein herausragender Ingenieur und großer Aeronautiker, sondern auch eine erfolgreiche und insbesondere mutige Unternehmerpersönlichkeit war. Liest man die Biographien über ihn wird man feststellen, dass das Streben nach selbständiger Führung eines Unternehmens seinen Lebensweg genauso bestimmte wie seine äußerst modernen Ansichten zur Unternehmens- und Mitarbeiterführung. Seine ersten Ansätze mit einem Heißluftmotor und einer Schrämmaschine für den Bergbau schlugen noch fehl. Auch sein patentierter Steinbaukasten für Kinder brachte ihm noch keinen Durchbruch, obwohl dieser das Potenzial dazu hatte, denn er wurde später als Anker-Steinbaukasten bekannt und erfolgreich vermarktet. Schließlich brachte ihm jedoch die Erfindung des Schlangenrohrkessels den angestrebten Erfolg als Unternehmer. Er nutze dieses Patent erfolgreich zur Realisierung einer Klein-Dampfmaschine und konnte sich dadurch die Finanzierung seiner Flugleidenschaft sichern. Später fungierte seine Firma Dampfkessel- und Maschinenfabrik Otto Lilienthal sozusagen nebenbei als erstes Flugzeugbauunternehmen der Welt.
Zukunftsweisend erkannte er im Übrigen, dass eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg zur Steigerung deren Motivation und Leistungsbereitschaft hervorragend geeignet ist, eine Erkenntnis, die gerade in der heutigen Zeit wieder einmal in Erinnerung gerufen werden und Einzug in Managerseminare halten sollte.
Was hat das alles mit dem Lilienthal-Sonderpreis zu tun? Mit dem Preis wird ein Unternehmen geehrt, welches als geeignet gesehen wird, in der Region Berlin-Brandenburg neue Impulse für die Luft- und Raumfahrttechnik zu setzen. Anders als es zu Lebzeiten Lilienthals möglich war, stand bei der Gründung der BBAT AG die interdisziplinäre Vernetzung von unterschiedlichen technischen Kompetenzen im Vordergrund. In einer noch nie in diesem Sektor durchgeführten Weise haben sich insgesamt 20 mittelständische Firmen der erweiterten Region im Frühjahr 2007 darauf verständigt, ein gemeinsames Unternehmen für technische Dienstleistungen für der Luft- und Raumfahrtindustrie in Wildau zu gründen, in welchem die vielseitigen Stärken und die Finanzkraft der auf unterschiedlichen Sektoren tätigen Gründungsunternehmen gebündelt werden. Seitdem ist die BBAT AG erfolgreich mit dem Aufbau ihrer Geschäftsfelder Serienproduktion, Design & Make sowie F&E-Entwicklung befasst. Dass dieser mutige und weitsichtige Schritt in die richtige Richtung ging, wird am bereits erfolgten Hochlauf der Serienproduktion für eine komplexe Triebwerkskomponente eindrucksvoll sichtbar.
Zur Bewerbung wurde ein überzeugender Businessplan vorgelegt. Dieser basiert auf der grundlegenden Erkenntnis, dass große luftfahrttechnische Unternehmen aufgrund eines anhaltenden Trends zum Outsourcing von Teilen der Wertschöpfungskette einen steigenden Bedarf an technischen Dienstleistungen in Entwicklung und Fertigung haben, diesen jedoch vorteilhaft aus einer Hand, also möglichst durch einen Anbieter abdecken wollen, der jedoch folgerichtig über einer breite Kompetenzpalette verfügen muss. Hier wird nachvollziehbar ein bedeutender Markt für mittelständische Betriebe gesehen.
Man kann als nicht Beteiligter nur erahnen, welche strategische und logistische Leistung darin steckt, einer derartig große Anzahl von Unternehmern, deren Firmen sich zudem an weit über die Republik gestreuten Standorten befinden, zunächst einmal an einen Tisch zu bekommen und erfolgreich eine gemeinsame Geschäftsidee zu entwickeln. Die größte Herausforderung wird aber darin bestanden haben, dass diese Unternehmer letztlich dann auch das finanzielle Risiko einer Firmengründung eingegangen sind. Durch die besondere Struktur der Aktionäre, deren Firmen sich als Hauptauftraggeber der BBAT AG verpflichtet haben und somit einerseits von der breiten, verfügbaren Kompetenz der Partnerunternehmen selbst profitieren, zugleich aber auch die Auslastung der gemeinsamen Unternehmung sichern, wird das Risiko jedoch in zweifacher Weise begrenzt.
Entsprechend der Natur der Produkte der BBAT AG, die auf den regional bedeutenden Bau und die Instandhaltung von Luftfahrttriebwerken ausgerichtet sind, musste besonderer Wert auf die Qualifizierung des Unternehmens gelegt werden. Die notwendigen Zulassungen nach Luftfahrtnorm EN 9100 ist in diesem Jahr erfolgt. Die weitere Qualifizierung zum luftfahrttechnischen Hersteller- und Entwicklungsbetrieb wird angestrebt.
Es wird mit dem Lilienthal-Sonderpreis 2010 die unternehmerische Weitsicht und Leistung der an der BBAT AG beteiligten Unternehmer gewürdigt, die insbesondere dadurch zum Ausdruck kommt, dass
- eine stimmige und zukunftsweisende, gemeinsame Vision in kurzer Zeit umgesetzt wurde,
- bis heute sechs hoch qualifizierte neue Arbeitsplätze geschaffen wurden und
- durch diese Gesamtleistung der Luftfahrtstandort Berlin-Brandenburg spürbar gestärkt wird.
Auch der BBAT AG gilt mein Glückwunsch zur Verleihung des Lilienthal-Sonderpreises 2010."
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Thorbeck, ILR/ TU-Berlin
(es gilt das gesprochene Wort)














